Donnerstag, 03 April 2025 18:13

Dortmunder Fußballgeschichte zwischen Tradition und Vielfalt

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Fußball Fußball foto: Pixabay

Dortmund steht für Fußball wie kaum eine andere Stadt in Deutschland. Die Menschen hier leben und atmen den Sport. Wer durch die Straßen der Stadt geht, sieht Kinder auf Bolzplätzen, Vereinswappen an Hausfassaden und unzählige Menschen in schwarz-gelben Trikots. Doch die Fußballgeschichte Dortmunds besteht nicht nur aus der glanzvollen Erfolgsgeschichte von Borussia Dortmund. Sie reicht tiefer, ist vielfältiger und vor allem lokal verankert. Genau diese weniger sichtbaren Seiten verdienen mehr Beachtung.

Frühe Anfänge in einem industriellen Umfeld

Die Ursprünge des Fußballs in Dortmund liegen im frühen 20. Jahrhundert. Die industrielle Entwicklung der Stadt, insbesondere durch den Bergbau und die Stahlindustrie, schuf nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Gemeinschaften. Arbeiter fanden nach Feierabend im Fußball einen Ausgleich zum harten Alltag. Aus dieser Umgebung heraus entstanden die ersten Vereine, darunter der SC Dortmund 95, der schon vor dem ersten Weltkrieg Spiele austrug und zeitweise als sportlicher Mittelpunkt galt.

Borussia Dortmund wurde zwar 1909 gegründet, doch war sie in den Anfangsjahren nur eine von vielen Mannschaften, die in Dortmund spielten. Die Fußballszene war damals geprägt von zahlreichen kleinen Vereinen, die meist eng mit bestimmten Betrieben oder Stadtteilen verbunden waren.

Mehr als nur BVB

Heute dominiert der BVB unbestritten das Stadtbild, doch Dortmunds Fußballgeschichte ist reicher. Viele kleinere Vereine haben ebenfalls bedeutende Beiträge geleistet. Einige davon:

  • SC Dortmund 95: In den 1920er-Jahren einer der erfolgreichsten Dortmunder Vereine. Er spielte in der höchsten Spielklasse und hatte großen Einfluss auf den regionalen Fußball.

  • TuS Eving-Lindenhorst: Der Verein aus dem Dortmunder Norden war jahrzehntelang ein fester Bestandteil der Amateurfußballszene.

  • SV Dorstfeld 09: In einem Stadtteil mit starker Bergbautradition beheimatet, steht er für familiäre Vereinsarbeit und lokale Identifikation.

  • Hombrucher SV: Bis heute aktiv in der Jugendarbeit, mit zahlreichen Talenten, die es bis in den Profibereich geschafft haben.

Diese Vereine haben nie die große Bühne betreten, doch sie sind das Fundament, auf dem Dortmunds Fußballkultur steht. Ohne sie wäre der Fußball hier nicht das, was er ist.

Fußball unterm Hakenkreuz

Während der NS-Zeit wurde der Sport massiv politisiert. Auch in Dortmund war Fußball nicht frei von Einfluss und Kontrolle. Viele kleinere Vereine mussten sich gleichschalten lassen oder wurden aufgelöst. Die Sportstruktur wurde zentralisiert, und die sogenannte Gauliga wurde eingeführt. Besonders Vereine mit jüdischen Mitgliedern oder sozialistischen Wurzeln waren betroffen.

Gleichzeitig nutzte das Regime den Fußball zur Propaganda. Spiele mit großer Zuschauerzahl sollten von den politischen Spannungen ablenken. Auch in Dortmund wurden viele der sportlichen Strukturen in diese Richtung verändert.

Aufschwung nach dem Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Fußball in Dortmund einen echten Neuanfang. Viele Vereine mussten sich zunächst neu formieren, Platzanlagen waren zerstört oder besetzt. In dieser Zeit zeigte sich die Stärke der lokalen Gemeinschaften.

Die Entstehung neuer Vereinsstrukturen ging Hand in Hand mit dem Wiederaufbau der Stadt. Fußball wurde schnell wieder zur verbindenden Kraft in den Stadtteilen. Besonders Betriebssportgruppen entstanden in großer Zahl. Ob bei Hoesch, der Dortmunder Union-Brauerei oder im öffentlichen Dienst – fast jede größere Einrichtung hatte ihre eigene Mannschaft.

Viele dieser Betriebsmannschaften bildeten später die Grundlage für eigenständige Vereine oder fusionierten mit bestehenden Clubs. So entstand ein dichtes Netz aus Amateurvereinen, das bis heute existiert.

Amateurvereine heute

Dortmund zählt heute über 100 Fußballvereine. Von der Kreisklasse bis zur Oberliga spielen Tausende Woche für Woche auf Asche- oder Kunstrasenplätzen. Die meisten Vereine arbeiten ehrenamtlich, mit großem Engagement für die Jugendarbeit und den Breitensport.

Einige besonders aktive Clubs:

  • FC Brünninghausen: Spielt in der Oberliga Westfalen und ist bekannt für gute Nachwuchsarbeit.

  • DJK TuS Körne: Engagiert in der Integrationsarbeit, mit vielen Initiativen für Kinder mit Migrationshintergrund.

  • SSV Hacheney, SV Westrich oder BSV Schüren: Lokale Größen mit langjähriger Geschichte.

Diese Vereine leisten mehr als nur Fußballtraining. Sie bieten soziale Anbindung, fördern Integration und schaffen einen Ort für Gemeinschaft. Gerade im urbanen Raum ist das unverzichtbar.

Einen guten Überblick über das vielfältige Vereinsleben bietet ILNOWA Dortmund, eine Plattform, die Initiativen und Sportangebote aus der Region zusammenführt. Besonders der Bereich Sport in Dortmund zeigt, wie groß die Vielfalt abseits des Profifußballs ist.

Fußball als Spiegel der Stadtgesellschaft

Dortmund hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Der Strukturwandel, die Zuwanderung und die wachsende Urbanisierung spiegeln sich auch im Fußball wider. Heute trainieren Kinder aus über 100 Nationen gemeinsam auf den Plätzen der Stadt. Der Fußball ist ein Medium für Dialog und Teilhabe geworden.

Viele Projekte, wie etwa interkulturelle Fußballturniere oder Mädchenfußball-Initiativen, entstehen direkt aus den Vereinen heraus. Sie zeigen, dass Fußball in Dortmund mehr ist als nur sportlicher Wettbewerb – er ist ein Teil gelebter Alltagskultur.

Kleine Geschichten, große Wirkung

Wer genauer hinsieht, entdeckt überall in Dortmund Spuren einer reichen Fußballgeschichte. Das Vereinsheim in der Nordstadt, das Spielfeld im Schatten einer alten Zeche oder das Jubiläum eines Clubs, der seit 100 Jahren existiert. Diese Geschichten sind nicht groß inszeniert, aber sie zeigen die echte Seele des Dortmunder Fußballs.

Sie erzählen von Generationen, die ihre Freizeit dem Sport widmen, von Eltern, die jedes Wochenende am Spielfeldrand stehen, und von Jugendlichen, die ihre Träume auf staubigen Plätzen beginnen. Das alles macht Dortmund zu einer der spannendsten Fußballstädte Europas – weit über die Erfolgsgeschichte von Borussia Dortmund hinaus.